Ratingen, 15.07.2005
Deutschland-Chef Jager: „Wir werden Marktführer“ - Durch Umbenennung will Unternehmen neue Wachstumspotentiale erschließen – Deutsche Post bis 2008 überholen
Die TNT Post Holding Deutschland unterhält mit 30.000 Zustellern das am engsten geknüpfte Zustellnetz nach der Deutschen Post. Wöchentlich befördert die Tochter der niederländischen Post mehr als 35 Millionen Werbesendungen und Kataloge - und will in den nächsten drei Jahren Marktführer im wachsenden Markt für Direktwerbung werden, sagt Hauptgeschäftsführer Ronald Jager. Auch bei der Zustellung von Briefen sieht sich TNT Post auf rasantem Wachstumskurs und will bis 2006 in wichtigen deutschen Ballungsräumen die regionale Briefzustellung anbieten.
? Herr Jager, wenn ein Unternehmer einem Kollegen erzählt hat, er lässt seine Werbung durch TPG zustellen, fragte jeder: TP wer?
! Jager: Das ist der Grund, warum wir uns zum 1. August 2005 in TNT Post umbenennen. TPG ist in Deutschland und vielen anderen Ländern als Marke fast unbekannt geblieben, obwohl wir zum Beispiel in Deutschland nach der Post die Nummer 2 im Markt für Direktwerbung sind. TNT, die Express-Tochter der niederländischen Post, ist dagegen eine weltweit erfolgreiche und bekannte Marke. Indem sich die wichtigsten Bereiche Express, Logistik und Post unter der Marke TNT positionieren, wollen wir dem Markt signalisieren, das wir ein weltweit aufgestellter Logistikkonzern sind, der umfangreiche Premium-Dienstleistungen anbietet.
? Wird sich nach der Umbenennung auch die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen TNT-Töchtern verändern?
! Jager: Natürlich werden wir enger kooperieren. So werden wir den Einkauf gemeinsam abwickeln, die Ausbildung unserer Mitarbeiter verbessern, eine leistungsstärkere IT aufbauen und gemeinsame Call Center eröffnen, die den Kunden deutlich mehr Dienstleistungen anbieten können als zuvor. Große Kunden erhalten zudem einen Ansprechpartner, hinter dem ein Team von Spezialisten steht, das maßgeschneiderte Lösungen für alle drei TNT-Bereiche erarbeitet.
? TNT Post ist schon heute die Nummer 2 in Deutschland im Markt für die direkte Zustellung von adressierter und unadressierter Werbung wie Prospekten und Katalogen. Wann wollen Sie den Marktführer Deutsche Post einholen?
! Jager: Im Segment für Direktwerbung ist unser Ziel ein Umsatzwachstum von zehn Prozent pro Jahr. Das bedeutet gemessen am Volumen zugestellter Werbesendungen ein noch stärkeres Wachstum, da wir unsere Dienstleistungen aufgrund einer erheblich besseren Kostensituation deutlich kostengünstiger anbieten als die Post. Wir werden voraussichtlich erstmals 2008 mehr Werbesendungen in Deutschland zustellen als die Deutsche Post.
? Was macht Sie da so optimistisch?
! Jager: Neben der Post sind wir der einzige Anbieter mit einem bundesweiten Netz und einer bundesweit einheitlichen Qualität. Es gibt derzeit noch rund 1.000 regionale und lokale Zustelldienste mit sehr unterschiedlichen Standards, Qualitäten und Preisen. Große Unternehmen suchen jedoch einen Partner, der Werbung in jedem Winkel Deutschlands nach einheitlichen Standards, aber zunehmend nach bestimmten Kriterien wie Haushaltsgrößen, Einkommen und Vorlieben zustellt. Besonders in diesem Markt sind wir führend und wachsen überproportional.
? Aber die Post wird sich nicht einfach überholen lassen.
! Jager: Sicher nicht. Aber wir spüren, dass uns die Umbenennung in TNT zusätzlichen Schub gibt und Handelsunternehmen Interesse zeigen, zu uns zuwechseln. Schon heute haben wir mit Branchenriesen wie Bauhaus, Edeka, Lidl, Minimal, Obi, Penny, Praktiker, Spar und Toom führende Unternehmen gewonnen. Das schafft Vertrauen. Aber viel schwer wiegt, dass Direktwerbung für die Post nur ein Randthema und der erste Schritt ist, um adressierte Zustellungen zu verkaufen. Für uns ist Direktwerbung jedoch die Kernkompetenz. Wir wollen unseren Kunden optimalen Service verkaufen und entwickeln deshalb laufend neue Qualitätstools und die immer individuellere Zustellung von Werbung. Wenn Sie beispielsweise Weine verkaufen wollen, dann wollen Sie Streuverluste vermeiden und gezielt ganz bestimmte Haushalte ansprechen. Hier sehen wir große Entwicklungsmöglichkeiten.
? Sie greifen die Post auch im Briefmarkt an, wo es noch bis 2007 ein Briefmonopol der Post gibt. Wo rechnen Sie sich Marktchancen aus?
! Jager: Die größten Chancen sehen wir in der regionalen Briefzustellung f.r Geschäftskunden. Hier ist das Briefmonopol bereits gefallen. Rund 80 Prozent des Briefaufkommens in Deutschland wird innerhalb einer Region abgewickelt. Das heißt: Absender und Empfänger sitzen nur wenige Kilometer auseinander. Es gibt Kunden wie Sparkassen, Finanzämter, Stadtverwaltungen oder Handwerker, die fast keinen nationalen oder überregionalen Briefverkehr haben und denen wir über unsere regionalen Niederlassungen hervorragende Angebote machen können. Wir greifen immerhin auf 200 Jahre Erfahrung im Briefdienst unseres Mutterkonzerns, der niederländischen Post, zurück. Wir wissen, wie Briefverkehr funktioniert. Und da, wo wir schon Briefe zustellen wie in Nordrhein-Westfalen und Hessen, wissen die Kunden, wie zuverlässig und günstig wir dieses Geschäft abwickeln.
? Ist es nicht gewagt, die Post in ihrem Kernmarkt anzugreifen, in dem sie derzeit 95 Prozent Marktanteil hält?
! Jager: Überhaupt nicht. Wenn man bedenkt, dass die Post 60 Jahre Zeit hatte, ihr Monopol aufzubauen und abzusichern, dann sind doch fünf Prozent Marktanteil, die private Postunternehmen in nur wenigen Jahren erreicht haben, eine sehr gute Leistung. Und Sie dürfen nicht vergessen, dass wir es immer noch mit einem Monopolmarkt zu tun haben. Private Postdienstleister müssen immer noch erheblich mehr bieten als die Post, um eine Lizenz zu erhalten. Und trotzdem sind wir mindestens 20 Prozent günstiger. Lassen Sie das Monopol 2007 fallen und Sie werden sehen, dass die Marktanteile der privaten Postgesellschaften explodieren werden. Auch unsere.
Ronald Jager ist Hauptgeschäftsführer der TNT Post Holding Deutschland. Das Unternehmen stellt wöchentlich 35 Millionen unadressierte Sendungen zu. Hinzu kamen im vergangenen Jahr rund 10 Millionen regional adressierte Briefsendungen.